Bad Berleburg: Lebendige Geschichte

Die Geschichte der Stadt Bad Berleburg beginnt in der keltischen, also der vorchristlichen Zeit. Aus jener Zeit sind drei Wallburgen (Fliehburgen) bekannt, die auf markanten und steilen Bergkuppen bei den Ortschaften Dotzlar, Aue und Wemlighausen zu finden sind. Diese mächtigen Ringwallanlagen sind zum Teil heute noch erhalten und stehen unter Denkmalschutz. Auch Ausgrabungen bei Christianseck und Raumland haben ergeben, dass in der vorrömischen Eisenzeit (800/700 bis. Chr. Geburt) der hiesige Raum besiedelt war. Die ersten urkundlichen Nachrichten liegen für die Ortschaft Arfeld aus den Jahren 800 und 815 n. Chr. und für Raumland aus den Jahren 802 und 817 n. Chr. vor. Der Bestand der Siedlungen in Elsoff, Alertshausen, Beddelhausen und Schwarzenau sowie vier weiterer Orte, die jedoch im Mittelalter Wüstungen wurden, ist durch eine Urkunde aus dem Jahre 1059 belegt.

Im Jahre 1174 wird erstmals der Name “Widechinstein“ (Wittgenstein) urkundlich aufgeführt. Mit den Grafen Siegfried I. beginnt die eigentliche Geschichte der Grafschaft Wittgenstein. Berleburg, hoch über dem Odeborntal gelegen, bot sich als Stützpunkt für den Ausbau der Grafschaft Wittgenstein an.

Die heutige Ortschaft Bad Berleburg ist in einer Urkunde des Klosters Grafschaft erstmals im Jahre 1258 als “Berneborg“ bzw. “Berneborgh“ erwähnt. In Gegenwart des Kölner Erzbischofs Konrad von Hochstaden gingen Burg und Burgberg am 30. März diesen Jahres in den gemeinsamen Besitz von Graf Siegfried von Wittgenstein und Klostervogt Adolf von Grafschaft über. Die erste Ansiedlung lag auf dem Schloßberg, einem Bergrücken, der durch Steilhänge zum Odeborntal und Berlebach hin vor Angriffen geschützt war.

Aus dem 12. und 13. Jahrhundert sind die Kirchen in Arfeld, Raumland, Elsoff und Girkhausen noch vorhanden. Die Kirche in Girkhausen bietet eine Seltenheit, der Turm steht in einiger Entfernung zur eigentlichen Kirche. Girkhausen war mit seiner damaligen “Marienkirche“ ein bekannter Wallfahrtsort. Der Zwischentrakt, der Turm und heutige Kirche verband, wurde später abgebrochen.

Die Stadt Berleburg entwickelte sich in der Folgezeit zum Mittelpunkt des nördlichen Wittgensteiner Landes. Die Entwicklung der Stadt, die bis ins 18. Jahrhundert von einer mit 2 Toren versehenen Mauer umgeben war, wurde wesentlich durch verheerende Großbrände geprägt. Nachdem bereits 1488 die gesamte Stadt ein Opfer der Flammen geworden war, brannten 1522 erneut 46 von damals 48 Häusern ab. Den letzten schweren Brand erlebte Berleburg am 21. Juli 1825. Der überwiegende Teil der damals 230 Häuser brannte nieder. Berleburg zählte zu jener Zeit 2.000 Einwohner. Der einheitliche Wiederaufbau nach dem Brand stellt ein Charakteristikum der Stadt Bad Bad Berleburg dar, dokumentiert die Stadtplanung und Architektur des frühen 19. Jahrhunderts im südwestfälischen Raum und spiegelt auch heute noch die Schlichtheit der heimischen Bautradition wieder. Der über eineinhalb Jahrhunderte nahezu unverändert erhaltene Altstadtbereich war wesentliche Voraussetzung für die Aufnahme Bad Berleburgs in die Arbeitsgemeinschaft historische Stadtkerne des Landes Nordrhein-Westfalen.

Zentrum der historischen Altstadt ist das Schloß der Fürsten zu Sayn Wittgenstein Berleburg, mit dessen Bau in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts begonnen wurde und das während der Regierungszeit des Grafen Casimir in den Jahren nach 1732 eine großzügige Erweiterung erfuhr. Heute bietet das barocke Schloß, daß als Baudenkmal von internationalem Rang eingestuft ist, den festlichen Rahmen für die weit über die Region hinaus bekannten Schloßkonzerte und die internationalen Musikfestwochen. Im Schloß Berleburg befindet sich ein Museum, das für Besichtigungen geöffnet ist, der angrenzende Schloßpark mit seinem jahrhundertealten Baumbestand dient dem jungen Heilbad heute als Kurpark.

Neben der Landwirtschaft bildete die Holzbe- und verarbeitung über Jahrhunderte hinweg die wichtigste Erwerbsquelle. Der Ausbau der heutigen Bundesstraße 480 um 1840 und der Eisenbahnlinie nach Kreuztal (1890) und Frankenberg (1911) veränderte allmählich die Wirtschaftsstruktur der Stadt Berleburg. Aber erst nach dem 2. Weltkrieg siedelten sich größere Industriebetriebe an. Die bedeutendsten Branchen sind heute neben der Holz-, die Papier- und Kunststoffverarbeitung sowie die Eisen-, Blech- und Metallwarenindustrie.

Aber auch der Dienstleistungssektor ist außerordentlich gut besetzt. Als ehemalige Kreisstadt des Kreises Wittgenstein verfügt Bad Berleburg über eine auffallend gute Infrastruktur, die bei Städten vergleichbarer Größenordnung nur selten anzutreffen ist. Zu nennen sind hier die Außenstelle der Kreisverwaltung Siegen-Wittgenstein mit Straßenverkehrs-, Jugend-, Sozial-, Veterinär-, Katasteramt und Bauaufsicht, die Nebenstelle des Gesundheitsamt Siegen, die Polizeistation Bad Berleburg, das Amtsgericht Bad Berleburg, die Dienststelle des Arbeitsamtes Siegen, das Postamt Bad Berleburg und vieles andere mehr. Besondere Erwähnung bedarf bei dieser Betrachtung das Angebot der medizinischen Versorgung. Im Stadtgebiet haben sich eine Vielzahl sowohl an praktischen Ärzten als auch an Fachärzten niedergelassen. Beispielhaft seien hier die Fachbereiche Innere Medizin, Augenheilkunde, Orthopädie, Kardiologie, Hauterkrankung sowie Psychiatrische Erkrankungen genannt. Auch für die stationäre Therapie verschiedenster Krankheitsbilder ist mit dem Kreiskrankenhaus Wittgenstein eine ortsnahe Versorgung gewährleistet.

Zusätzlich entwickelte sich in Bad Berleburg und seinen Orten der Tourismus. Das schonende bis reizmilde Klima der am Südhang des Rothaargebirges gelegenen Stadt ist therapeutisch bedeutsam und war bereits 1935 eine der Voraussetzungen für die Anerkennung als Luftkurort. Als Keimzelle der Entwicklung zum Kurwesen darf die Einrichtung der “Klinik Wittgenstein“, Träger ist das ev. Johanneswerk, Bielefeld, als psychosomatisches Fachkrankenhaus im Jahre 1949 bezeichnet werden.

2 Jahre später gründeten engagierte Bürger den ersten Kneippverein; hieraus ging 1952 die private Kneipp-Kur-Gesellschaft – heute Wittgensteiner Kliniken Allianz – hervor. Im Mai 1953 wurde der Kneipp-Kur-Betrieb eröffnet. Im ersten Jahr zählte man über 11.000 Übernachtungen – heute sind es mehr als 600.000. In den folgenden Jahren wurden weitere Sanatorien und Kliniken errichtet; es wurde mutig investiert und mit Beharrlichkeit die Anerkennung als Kneipp-Kurort betrieben. 1971 bekam die Stadt die Bezeichnung “Bad“ als Zusatz zum Ortsnamen verliehen, 3 Jahre später erfolgte die staatliche Anerkennung als Heilbad.

Bis Mitte der 70er Jahre standen die Indikationen der Kneipptherapie im Vordergrund der Behandlungsmöglichkeiten. Mit der Schaffung modernster räumlicher und medizinischer Einrichtungen und der Einstellung von ärztlichem Fachpersonal mit Spezialausbildung und Spezialkenntnissen erweiterte sich die Indikationsliste zur Behandlung spezifischer Erkrankungen und führte zur Klinifizierung der einzelnen Betriebe und zur Spezialisierung innerhalb der Kliniken. Neben der Rehabilitation und Anschlußheilbehandlung im Herz-Kreislauf-Bereich, sowie im orthopädischen Bereich haben die traditionellen psychosomatischen Kliniken sowie die Arzt-Patienten-Seminare bundesweit Bedeutung und Anerkennung gefunden.

Bad Berleburg am Rothaarsteig
Bad Berleburg am Rothaarsteig